Zwei Seiten - Leben mit der unverzeihlichen Tat

Martin Schmidt, der Name klingt fast wie ein Synonym für eine typisch bürgerliche Biographie. Eine Biographie fern jener gesellschaftlichen Debatte, welche die Gemüter ganzer Generationen immer wieder erhitzt und für die es kein Patentrezept als Lösung gibt: Wie soll man mit Straftätern umgehen? Inwieweit kann und darf man Gewalttaten verzeihen? Wie viel Verständnis, Akzeptanz und Toleranz seitens der Gesellschaft sind nötig, um einem Täter die Möglichkeit zur Resozialisierung und Aufarbeitung seiner Tat zu geben?


Zwölf Jahre ist Martin Schmidt mit seiner Frau verheiratet, als er im Jahr 2007 seine langjährige Geliebte im Streit mit einem Messer angreift und lebensgefährlich verletzt. Nach einem missglückten Selbstmordversuch kommt er in Untersuchungshaft. 2009 wird er zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach einer verkürzten Haftzeit kommt er im Sommer 2012 auf Bewährung frei.
Anders als bei vielen Straftätern kann der 48-Jährige auf stabilen Rückhalt seines sozialen Umfeldes zurückgreifen. Seine Ehefrau hält trotz der Schwere seiner Tat und dem eingebüßten Vertrauen weiter zu ihm. Sie unterstützt ihn bei der Aufarbeitung seines Verbrechens und dessen Ursachen.
Sein Fall ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Resozialisierung.
Wir, als Teil unserer Gesellschaft stehen permanent vor der Aufgabe, ehemaligen Straftätern eine Chance zu bieten, sich wieder ins alltägliche Leben einzugliedern. Wie weit man dem Täter verzeihen kann, ohne dabei die Folgen für das Opfer außer Acht zu lassen, ist eine schwierige Entscheidung, die jeder Einzelne für sich selbst treffen und verantworten muss.


Ein Film von Patrick Slesiona, Christian A. Werner, Marcel Wogram, 2014